Methodik · Pipeline · 7 Min. Lesezeit

3-SIGNAL-ENSEMBLE: ÜBER 85 % PROGNOSEGENAUIGKEIT.

Warum die Kombination aus Auftragspipeline (60 %), Zeitreihen-ML (29 %) und Lagerkontrakten (11 %) funktioniert — und warum reine Prophet- oder XGBoost-Modelle in der Industrie regelmäßig unter 70 % bleiben.

Worum es geht

Mengenprognose für Industrie-Hersteller funktioniert nicht über ein einzelnes Modell. Wir setzen ein Ensemble aus drei orthogonalen Signalen: Auftragspipeline (was ist tatsächlich am Markt unterwegs), Zeitreihen-ML (was sagt die Historie) und Lagerkontrakte (was ist vertraglich zugesagt). Die Gewichtung 60/29/11 hat sich in Pilotwerken bewährt und erreicht Genauigkeiten über 85 % auf Artikelebene — das doppelte vieler Bauchgefühl-Forecasts.

Warum ein einzelnes Modell scheitert

Die meisten Mengenprognosen im Industrie-Kontext basieren entweder auf statistischen Zeitreihen-Methoden (Prophet, ARIMA) oder auf maschinellem Lernen (XGBoost, LightGBM). Beide haben in der Praxis ein Genauigkeits-Plateau bei etwa 65–75 %. Der Grund: Sie sehen nur die Vergangenheit, nicht die Pipeline.

Wenn der Vertrieb weiß, dass nächste Woche drei große Ausschreibungen rauskommen — das steht in keinem Zeitreihen-Modell. Genauso wenig wie ein bestehender Liefervertrag mit garantierten Abrufmengen. Beide Signale leben außerhalb der Zeitreihen-Welt.

Die drei Signale im Detail

Signal 1 · Auftragspipeline (60 %)

Aus CRM und Vertriebs-Logs: Wieviele Anfragen, Angebote und Aufträge sind in der Pipeline, mit welcher Wahrscheinlichkeit kommen sie zur Ausführung, in welchem Zeitraum? Dieses Signal ist branchenspezifisch — im Tiefbau dominieren EU-Ausschreibungen, im Mauerwerksbau Generalunternehmer-Anfragen.

Signal 2 · Zeitreihen-ML (29 %)

Klassisches ML-Modell auf der Artikel-Historie. Saisonalität, Trend, Wochen-Effekte. Wir nutzen typischerweise eine Kombination aus Prophet (für Trend und Saison) und XGBoost (für Effekt-Kombinationen wie „Großauftrag X führt 4 Wochen später zu Mehrbedarf Y“).

Signal 3 · Lagerkontrakte (11 %)

Bestehende Rahmenverträge, Abrufmengen, garantierte Lieferpflichten. Dieses Signal ist klein in der Gewichtung, aber wichtig für die Genauigkeit — es ist das einzige, das mit Sicherheit weiß, was kommt.

Warum gerade 60/29/11?

Die Gewichtung ist nicht akademisch hergeleitet, sondern in einem Pilotwerk empirisch ermittelt. Sie hat sich über mehrere Monate als robust erwiesen — auch unter Lastspitzen und in Sondersituationen. Andere Hersteller können andere Gewichtungen brauchen. Wichtig ist das Prinzip: drei orthogonale Signale, eine Ensemble-Gewichtung, periodische Validierung.

Was Sie konkret in Ihrem Haus brauchen

  • Ein CRM mit Pipeline-Disziplin — Anfragen, Angebote, Aufträge müssen gepflegt sein. Excel-Listen reichen nicht.
  • Ein Artikelstamm mit Historie über mindestens 24 Monate, möglichst tagesgenau.
  • Eine Liste aktiver Rahmenverträge mit Abrufmengen und Restlaufzeiten.

Wenn alle drei Punkte vorhanden sind, ist ein erster Prototyp in 4–6 Wochen produktiv. Genauigkeits-Ziel über 85 % als Go/No-Go-Kriterium — das ist hart, aber realistisch.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ein Signal fehlt?

Dann wird die Gewichtung umverteilt. Ohne Lagerkontrakt-Signal landen wir typischerweise bei 70/30 — immer noch deutlich besser als reine Zeitreihen-Prognose.

Wie oft wird das Modell neu trainiert?

Wöchentlich. Das ist Sweet Spot zwischen Reaktionsfähigkeit und Modellstabilität. Bei sehr volatilen Märkten kann täglich sinnvoll sein.

Welche Daten kommen aus dem ERP?

Artikelstamm, Bestellhistorie, Lagerbestände, Rahmenverträge. Wir bauen eine schlanke Schnittstelle, die nur Lese-Zugriff braucht — kein Schreiben ins ERP.

Was kostet das?

Pilot in einem Werk mit 250+ Artikeln liegt typischerweise zwischen 9 und 12 Wochen. Nach dem Pilot skaliert die Methodik werkweise zu deutlich geringeren Kosten.

Bereit für den Quickwin-Tag?

Sie wählen die Lösung. Sie nennen den Schmerzpunkt. Wir liefern abends Software die läuft — nicht ein Konzept, nicht eine Präsentation, nicht ein Angebot für ein Angebot.